Fazit und Tipps für zukünftige Hiker

Zuhause angekommen, die Reise verlief ohne Probleme. Schön war, daß auf den zwei längeren Strecken neben mir ein Platz frei war. Mit diesem mehr an Platz, war der Flug nicht ganz so schlimm wie sonst. So geht sie zu Ende, die große Reise.

Jetzt das Fazit: Was für eine Reise und auch Abenteuer! Was für ein Land…es bleibt auch immer noch mein Traumland. Und eine Rückkehr ist fast schon sicher.

Die Menschen auf und um den Trail waren toll und es war wunderbar neue Leute kennen zu lernen. In vorderster Linie natürlich meine „Ladies“! Hatte ich es hier erwähnt, auch sie sind in Bluff angekommen und haben ihren Trail beendet.

Die Neuseeländer allgemein sind ausgesprochen freundlich und natürlich sind die Trail Angels überdurchschnittlich freundlich. Auf dieser Reise habe ich doch tiefere Einblicke in das neuseeländische Leben neben dem Urlaub bekommen. Auch wenn unser Team die Hilfe der Trail Angels nicht überdurchschnittlich in Anspruch genommen hat.

Die Schönheit Neuseelands ist bekannt, sonst hätte es nicht so viele Touristen. Durch die Wanderung durch verhältnismäßig einsame Gebiete war auch hier der Einblick tiefer als bei einer Reise mit dem Campervan.

Die Wanderung an sich ist hart und es bleibt auch mühsam bis zum Ende! Vor allem zu Beginn hatte ich schon meine Probleme. Zum einen die körperlichen Probleme, Blasen an den Füßen, kleine Verletzungen, Muskelkater bis Zerrungen, Laufen bis zur totalen Erschöpfung. Erstaunlich war öfters, wie viel der Körper doch leisten kann.

Zu den körperlichen Problemen kommen noch die mentalen Probleme. Wenn morgens schon die ersten Schritte schmerzen, weil irgendwas nicht stimmt, wird der Tag mental zur Herausforderung. Wenn die Motivation aus irgendeinem Grund schwindet, werden auch die körperlichen Anstrengungen schwerer ertragbar. Gut, wenn die Hikerkollegen einen etwas auffangen können.

Der Weg an sich war zum Teil doch anders, als ich es gedacht habe.

Was ich wusste:

Auf der Nordinsel geht es durch bewohnte Bereiche und auch über Straßen. Der TA Trust hat sich auf die Fahne geschrieben, die Hiker mehr und mehr von der Straße zu holen. Und ich bleibe dabei: Eine Wanderung an einer Bundesstraße entlang braucht kein Mensch. Ist nur gefährlich.

Auf der Nordinsel ist man öfter in der Zivilisation. Das Outdoor-Gefühl ist hier etwas gedämpft.

Ich wusste, dass es für mich schwer werden wird. Zu wenig Training, zu viel Gewicht.

Was ich nicht wusste:

Wie unbehandelt die Wege zum Teil sind. Wenn in Europa ein Weg ausgezeichnet ist, ist er auch meist irgendwie ausgeformt. In Neuseeland kann das bedeuten, daß irgendwo eine Stange steht. Von Stange zu Stange sucht man sich seinen Weg selbst, bis genügend Leute einen getrampelt haben. An einigen Stellen hatte es nicht mal Stangen. Rechts ein Berg, links ein Berg, Der Weg geht irgendwo im Tal dazwischen. Braucht es auch keine Stange oder Wegweiser!

Matschlöcher, groß und tief wie im Raeteawald oder Pirongia konnte ich mir nicht vorstellen. Und kannte ich so noch nicht.

Und ich wusste so auch nicht, wie viel es eigentlich konstant zu planen und organisieren gibt. Shuttles und Unterkünfte sind ständig zu planen.

Was man Wissen sollte bevor man startet:

Die Zeiten, als man auf diesem Trail alleine war sind vorbei. Außer man läuft nicht zur „Saison“. Dann muss man doch sehr genau wissen was man tut, die Natur ist da gemein und vergibt nicht. Das heißt nicht, das man beim Wandern nicht seine Ruhe hat. Hat man sehr wohl, nur trifft man sich an den Übernachtungsplätzen wieder. Und diese kann man kaum ignorieren. Man gerät schnell in eine Bubble und hikt mit den gleichen Leuten. Für eine kurze oder längere Zeit.

Es geht durch die südlichen Alpen. Da sollte klar sein, dass Trittsicherheit und Wege an steilen Hängen, Klettereinlagen in kleinem Stil und Fußwege an Steilhängen vorkommen. Wer von Nord nach Süd läuft, wird da langsam dran hin geführt. Aber man sollte Wissen, daß das kommt. Die Neuseeländer haben da andere Vorstellungen von Sicherheit und Wegführung. Sie weiter oben…

Auch Wasserkreuzungen ohne Brücken sind zu bewältigen. Es ist gut da mit Vorsicht und Respekt ran zu gehen. Und auch ein Kurs oder längeres Studium von Medien wie man die Kreuzungen angeht ist ein guter Rat. Die zwei Wanderer die zuletzt im Mount Aspiring National Park (abseits des Trails) umgekommen sind, sollten einem eine Warnung sein. Auf der anderen Seite kann man den Flüßen in Neuseeland nicht komplett aus dem Weg gehen. Respekt und Vorsicht walten lassen! „Better safe than sorry“

Auch für Neuseelands Wetter gilt: Lieber „Safe than Sorry“. Hochalpin und Schlechtwetter passt nicht zusammen! Flüße werden im schlechten Wetter unpassierbar. Auch bei der Ausrüstung: Es muss auch für das schlechte Wetter reichen! Sonst spielt man für ein paar Gramm mit seinem Leben! Vorbereitet sein!

Nach dem in Foren immer wieder gefragt wird, ob man einen Personal Locator Beacon braucht: Ja. Jeder. Keine Diskussion oder Ausnahme.

Der Abschnitt klang jetzt etwas gefährlich und düster. Ja, Gefährdungen von außen sind da und real. Mit Vorsicht und Respekt hat man das aber ziemlich im Griff. Macht man alles richtig, halte ich das Gefährdungspotential einer „schönen“ Wanderung am Straßenrand für mindestens genauso gefährlich wie die Wanderung durch die südlichen Alpen.

Eine andere Frage ist immer wieder: Wie viel Geld braucht es, um den TA zu wandern?

Antwort: Leider doch sehr viel. Nicht überall kann man wild campen und die Stellen an denen man das darf werden weniger. Die Aufrufe an Trail Angels, ob man in ihrem Garten campen darf sind zahlreich. Die vorhandenen Plätze müssen unter mehr Hikern aufgeteilt werden. So werden die freien Übernachtungen immer weniger. Es werden dann einfach viele Übernachtungen auf Campingplätzen etc, die einfach Geld kosten.

Nicht um alle Transportkosten und Gebühren kommt man drum rum. Sie sind einfach da.

Und zum Schluß ist die Frage: Wirst du persönlich deinen Sparkurs beibehalten, wenn du nach anstrengenden Tagen in eine Stadt/Dorf mit Annehmlichkeiten, die Geld kosten, kommst? Wirklich? Ich kann das nicht 😉 Denn dies wird der Unterschied sein, ob du 5000 NZD, 10000NZD oder noch mehr (wie ich) brauchst.

Zukunft des Trails:

Es wird interessant sein, wie sich die Zukunft des Trails entwickelt. Die Infrastruktur am Trail, wie z.B. Toiletten und Unterkünfte wachsen nicht so schnell wie die Anzahl der Hiker. Der TA Trust wird es hier schwer haben, Schritt zu halten. Mehr Hiker bedeuted auch, dass sich mehr Hiker mal daneben benehmen. Ist eigentlich immer so. Hast du eine genügend große Anzahl an Menschen, ist immer der Eine mit dabei. Und dieser schädigt dann den Ruf von allen. Man nimmt dann die große Mehrheit nicht war, wegen diesem Einen! Und dies führt zu Komplikationen mit Anwohnern und „verscheucht“ Trail Angels.

Zukunft Neuseelands:

Für mich erschreckend war die Anzahl der Possums. Eigentlich waren sie überall in der Natur in der Nacht zu sehen und zu hören. Ich musste öfter in der Nacht mal „ums Eck“ und bin dann oft über sie gestolpert. Wie diese Plage, einschließlich Mäuse und Ratten, beseitigt werden kann. Ich weiß es nicht. Düstere Aussichten für die bedrohten Vogelarten.

Und auch die Landwirtschaft hat mich überrascht. Ja, Rinder sind das bessere Geschäft gegenüber Schafen. Die Verträglichkeit der Hinterlassenschaften muss aber auch gegeben sein. Hier hat Neuseeland was zu tun.

Über den immer noch wachsenden Tourismus will ich mich nicht auslassen. Ich gehöre mit dazu.

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